Lange hat es gedauert, bis ich mich endlich dazu aufraffen konnte, mir "Inland Empire" anzugucken. Ich habe mir die DVD gekauft, weil ich nur Gutes darüber gehört hatte und die gerade im Sonderangebot war. Außerdem ist der Film doch von David Lynch. Seine Filme sind wirr, aber gut. Als ich dann jedoch sah, dass die Laufzeit von Inland Empire fast 3 Stunden beträgt, verging mir ehrlich gesagt ein wenig die Lust. Lynch-Filme sind halt doch irgendwie anstrengend und schon bei den meisten "leichten" Filmen mit einer Spielzeit von 2 Stunden macht meine Konzentration nicht mehr mit.
Nun war es endlich so weit. Ich habe mir den Film angeguckt. Zu meiner Verwunderung musste ich nicht nach der Hälfte abbrechen und eingeschlafen bin ich auch nicht. Ganz im Gegenteil: Als der Film zuende war, war ich noch ganz schön fit und hätte ruhig noch mehr sehen können. Der Film hat mich ganz schön gefesselt, auch wenn ich etwa nur 10% verstanden habe. Die Rahmenhandlung ist eigentlich ganz einfach und schnell erzählt: Nikki Grace (gespielt von Laura Dern) wird als Hauptdarstellerin für den Remake einen Films engagiert und erhofft sich so das große Comeback. Was sie erst während des Drehs erfährt: Der Original-Film wurde nie fertiggestellt, weil die beiden Hauptdarsteller zu Tode kamen, bevor die Dreharbeiten beendet wurden. Am Filmset ereignen sich nun erneut seltsame Dinge und Nikki findet sich in einer Welt zwischen Wahrheit und Fiktion wieder.
Tja, klingt erst mal ganz einfach, aber wer schon mal einen Film von Lynch gesehen hat, weiß, das dem garantiert nicht so ist. Als Zuschauer weiß man nie, was passiert wirklich mit der Hauptdarstellerin Nikki, was mit ihrer Filmrolle und was spielt sich evtl. nur in ihrer Psyche ab. Hin und wieder scheint es Hinweise auf die Antwort zu geben, wenn man z.B. eine Filmkamera sieht, doch dann verschwimmt auch das mit der Fiktion, wenn aus Nikki ihre Filmrolle Sue wird. Die Handlung ist nicht chronologisch, man kann nicht zuordnen, was wann passiert. Und zwischendurch werden dann Szenen gezeigt, in denen Menschenen mit Hasenköpfen auf einer Bühne agieren. Sie führen Dialoge, scheinen aber nicht wirklich miteinander zu reden. An unpassenden Stellen wird dann ein Lachen aus dem Off eingeblendet, so wie z.B. bei Sitcoms. Das ganze ist einfach nur surreal und verstörend. Ich finde sogar, dass es dem Film einen gewissen "Grusel"faktor verleiht. Ebenso die Szene, in der einige Frauen zu "Locomotion" tanzen. Der Song ist so fröhlich und passt irgendwie gar nicht in diesen Film rein. Bewusst natürlich. Aber nicht diese Szenen allein verleihen dem Film diese Atmosphäre. Es ist diese Lynch-typische Optik. Der Film ist fast ausschließlich dunkel gehalten. Einige Szenen sind in rotes Licht getaucht, in anderen hingegen wird man von hellen Spotlights geblendet. Der Sound sorgt für den Rest. In einigen Szenen sorgt gewisse Musik für den Nervenkitzel, in anderen Szenen wiederum ist es diese Totenstille, die einen fesselt.
Wie auch schon bei den anderen Filmen wie "Lost Highway" und "Mullholland Drive" hab ich nicht so richtig verstanden, worum es geht. Man kann sich im Internet schlau machen, Interviews mit Lynch lesen, diverse Zuschauer-Theorien durchlesen und den Film nochmal gucken. Danach kann man all die Informationen und die eigenen Ideen zusammenwurschteln und daraus seine eigene Interpretation des Films zaubern. Aber diesmal wird das glaub ich ein wenig schwieriger. Denn ich hab echt verdammt wenig verstanden. Viele Szenen wirken dann doch so, als hätte man sie einfach des Effektes wegen in den Film gepackt. Und wenn man dann liest, wie der Film entstanden ist (nämlich ohne richtiges Drehbuch) und dass Lynch angeblich selber nicht weiß, worum es in Inland Empire geht, dann hab ich das Gefühl, dass das so stimmt.
Klar, Filme sind eigentlich Kunst, was viele Filmemacher mit der Zeit vergessen haben. Kunst soll den Betrachter fesseln und unterhalten. Dabei muss der Künstler nicht erklären, was er da geschaffen hat. Er soll sich nicht rechtfertigen, sondern den Betrachter selber interpretieren lassen. Wenn allerdings der Künstler selber nicht weiß, was er da fabriziert hat, finde ich das irgendwie doch doof. Naja, vielleicht hat sich der werte Herr Lynch mit seiner Aussage auch nur nen Scherz erlaubt, weil er es satt hat, immer gefragt zu werden, was denn nun die Intention seiner Filme ist. Ich könnt's dann wiederum verstehen. Um das Ganze herauszufinden, werde ich mir den Film nochmal anschauen. Allerdings nicht jetzt und auch nicht allein (naaa, wer fühlt sich jetzt an dieser Stelle angesprochen, hm?
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Kommentare
Mon, 01.12.2008 09:22
klar, die gesangseinlagen der tochter und des jungen seemannes sind...gewöhnungsbedürftig...a ber das Duett zwischen Todd [...]
Sun, 30.11.2008 13:00
das ist ja wirklich ziemlich widerlich. aber man sieht da mal wieder schön, dass menschen in erster linie egoschweine [...]
Sun, 30.11.2008 12:59
Ed Wood fand ich super den Film!!!
Sat, 29.11.2008 22:48
Stimmt, ich habe den "Coin-operated Boy" vergessen, aufzuschreiben. Hiermit erledigt.
Sat, 29.11.2008 20:44
Das Problem hab ich grad auch.. meine Eltern wollen eine Liste und ich hab keine Wünsche.
Sat, 29.11.2008 15:31
deine liste ist ja richtig kurz im vergleich zu meiner
Sat, 29.11.2008 15:26
gummipuppe als urlaubserfahrung? LOL, ich glaube, ich muss zu supersized wechseln, da treiben sich ja lustige menschen [...]
Wed, 26.11.2008 23:23
die aerosmith-version ist ja echt übel